Zeit für psychische Entlastung.

Wir studieren, um uns zu bilden, um uns zu entfalten und unseren Talenten sowie Interessen nachzugehen. Doch dieser selbstbestimmte Bildungsanspruch geht im Studium oftmals total verloren. Denn der Regierung ist nur wichtig, uns schnellstmöglichst auszubilden und für die Wirtschaft zu verwerten. Unsere Stärken, unsere Gesundheit und schließlich wir selbst zählen in diesem System kaum bis nichts. Es ist offensichtlich, dass hier mit dem jahrzehntelang steigenden Leistungsdruck ein riesiger Problemherd entstanden ist – darunter leidet besonders unsere Psyche. Es ist Zeit, diese Probleme und Problemursachen beim Namen zu nennen und jegliches Tabu aufzubrechen. Es ist Zeit, sich einzugestehen, wie gefährlich der Leistungsdruck an Hochschulen tatsächlich ist - und vor allem ist es Zeit, diese Probleme zu lösen und endlich ein angstfreies Hochschulsystem zu schaffen, das nicht psychisch kaputt macht.

Psychische Entlastung

Wir sind die "Zukunft von morgen", aber was bringt uns diese Zukunft, wenn wir total überarbeitet und erschöpft sind? Dass von einem Großteil von uns Studierenden die psychische Gesundheit leidet, ist kein Zufall, sondern das Produkt eines Bildungssystems, das kontinuierlich selektiert und auf Leistungsdruck aufbaut. Social Distancing und Distance Learning haben bei vielen von uns den psychischen Stress noch weiter verstärkt. Momentan werden wir mit diesen Problemen aber viel zu sehr allein gelassen. Das wollen wir ändern! Jede_r hat es verdient, Ressourcen und Unterstützung da zu bekommen, wo es uns weh tut. Wir fordern kostenlosen Zugang zu Psychotherapie für Studierende. Studierende, die Diskriminierungserfahrungen machen, sind hier oft besonders stark betroffen. Darum braucht es außerdem (gender-)sensible Beratungs- und Therapieangebote.

Der Leistungsdruck an den österreichischen Hochschulen steigt stetig: Beispielsweise durch eine Mindeststudienzeit abseits der Realität oder es drohen finanzielle Sanktionen, wie Studiengebühren, wenn man diesen überfordenden Ansprüchen nicht gerecht wird. Wir fordern eine Hochschule, die der Selbstverwirklichung und Wissenschaft dienen, nicht bloß der Wirtschaft! Deshalb ist es höchste Zeit, die Mindeststudienzeit zu überdenken. Es ist doch absurd, dass alle Studierende in jedem Studiengang genau gleich lang für ein Studium brauchen müssen - obwohl wir wissen, dass es einige Studiengänge gibt mit beispielsweise mehr Praxisbezug, wo eine dreijährige Mindeststudienzeit viel zu eng geschnürt ist. Wir fordern eine Evaluierung der echten Mindeststudienzeit, wie lange Studierende in der Regel brauchen und eine Anpassung der jetzigen Mindeststudienzeit und Toleranzsemester an die Regelstudienzeit.

Prüfungsängste haben wir alle wohl mehr oder weniger ausgeprägt. Zu Unrecht fühlen wir uns aber selbst schuld daran, diese Ängste zu haben. Klar ist jedoch: Wir haben diese Ängste nicht, weil wir faul und unorganisiert sind, sondern weil wir unter zu viel Druck gesetzt werden. Um all dem entgegenzuwirken brauchen wir mehr Flexibilität im Studium! Uns darf nicht über unser gesamtes Studium hinweg mit Selektion und Zwangsexmatrikulation gedroht werden. Wir fordern mehr Prüfungstermine pro Semester und eine Abschaffung von Knock-Out-Prüfungen.

In einer Studie gaben 27 % der Studentinnen* an, schon mindestens einmal im Hochschulkontext diskriminiert worden zu sein. 10 % der Gesamtstichprobe führt das hauptsächlich auf ihr Geschlecht zurück. Übergriffe an Hochschule reichen von anzüglichen Kommentaren in Lehrveranstaltungen und sexistischen Sprüchen über unerwünschte Nachrichten bis hin zu körperlichen Übergriffen. Damit sexistische Bemerkungen und demütigende Übergriffe aus dem Hochschulalltag verbannt werden, braucht es Strukturen, die Sexismus und weiteren Diskriminierungsformen entgegenwirken. Durch Sensibilisierungskurse und -workshops können Thematiken wie Geschlechtervielfalt  und Gleichberechtigung ins Bewusstsein der Lehrenden und dem allgemeinen Hochschulpersonal gebracht werden. Antisexismus muss auch in der Gestaltung der Lehre Praxis werden!