Zeit für gerechte Studienbedingungen.

Oft kommt es uns im Studienalltag so vor, als seien viele Dinge in unserem Hochschulsystem unveränderbar. Wir sitzen immer in denselben Hörsälen, wie bereits Studierende Jahrzehnte vor und wahrscheinlich Jahrzehnte nach uns. Wir müssen immer noch harte Zugangsbeschränkungen überwinden und sind mit einer absurd hohen Erwartungshaltung konfrontiert. Doch all diese Missstände müssen nicht zu unserem Hochschulalltag gehören. Unsere Studienbedingungen sind veränderbar und es ist schon lange an der Zeit, dass sich so einiges verändert: Es ist Zeit für gerechte Studienbedingungen.

Gerechte Studienbedingungen

Arbeiter_innenkinder werden immer noch von den Hochschulen ferngehalten. Schon alleine die Matura schreiben nur 37% der Kinder aus Arbeiter_innenfamilien, beim Bachelorstudium sinds 22% und bis zum Beginn eines Doktorats sind es weniger als 1%. Das zeigt uns, Bildung ist noch lange kein Recht für alle Menschen, sondern nur für die Reichen. Das zu ändern, ist unsere Kernaufgabe. Wir wollen, dass Studieren auch abseits von Floskeln für alle möglich und leistbar wird. Wir fordern zahlreiche staatliche Fördermaßnahmen für Arbeiter_innenkinder, um die sozialen Ungerechtigkeiten auszugleichen. Das heißt, es braucht neben ausreichend finanzieller Unterstützung auch kostenlose Lernangebote an den Hochschulen, um wichtige Soft Skills, die in einer akademischen Karriere vorausgesetzt werden, lernen zu können. Dazu gehören auf jeden Fall Workshop- & Beratungsangebote zum Thema Lernmethoden, Rhetorik und Präsentationsskills, sowie Projekt- & Zeitmanagement.

Gerechtigkeit heißt, dass wir uns nicht zwischen Studium und Existenzsicherung entscheiden müssen. Das Teilzeitstudium macht's möglich. Im  VSStÖ-Teilzeitstudium soll man als Student_in Semester für Semester die Wahl haben, vorab zu entscheiden, ob man Vollzeit oder Teilzeit studiert - oder das Studium für ein Semester pausiert. Somit hat man die dringend notwendige Flexibilität, die man braucht, um Erwerbstätigkeit und Studium zu vereinbaren -  und zwar so, dass weder Job, Studium noch Gesundheit negativ beeinflusst werden. Wir fordern die Einführung eines Teilzeitstudiums, damit alle, egal in welcher Lebenssituation sie sind, studieren können!

Lernen braucht Platz. Ein Studium setzt automatisch voraus, dass man Zeit und Lust darauf hat, am Schreibtisch zu arbeiten - und darüber hinaus, wird selbst der Platz und Schreibtisch vorausgesetzt. Lernplätze in Hochschulgebäuden und Bibliotheken reichen momentan bei Weitem nicht. Schon gar nicht, wenn durch Corona die Personenanzahl in öffentlichen Räumen niedrig gehalten werden muss. Wir brauchen die Sicherheit, stets Platz an der Hochschule zu haben. Wir fordern den Ausbau der Infrastruktur zum Lernen, Lesen, Pause machen, ohne dem ständigen Konsumzwang, wie zum Beispiel in Cafes und Restaurants. Jede Hochschule muss dafür sorgen, dass alle ihre Student_innen jederzeit einen Platz zum Lernen finden: Bestenfalls an jedem Hochschulstandort & Corona-konform.

53% aller Studierenden sind Frauen*. Der Frauenanteil in den Geistes- und Kulturwissenschaften liegt sogar bei 71%, in den Ingenieurswissenschaften jedoch nur bei 29%. Der Anteil der Forscherinnen* liegt bei 30%, von Professor_innen sind gerade einmal 23% weiblich*. An technischen Universitäten beträgt der Professorinnenanteil 9%. Klassische Geschlechterbilder und patriarchale Strukturen an den Hochschulen sind Gründe für die sogenannte „Leaky Pipeline“, die Frauen strukturelle Barrieren in den Weg legtund eine wissenschaftliche Karriere verbaut. Diese Zahlen machen deutlich, dass Frauen* in allen Fachbereichen gefördert werden müssen. Wir fordern verpflichtende Frauen*förderungspläne an allen Hochschulen.