Luft draußen?

Bildung darf nicht krank machen

Studieren macht krank. Leistungsdruck, finanzielle Unsicherheit und mangelhafte Beratungsmöglichkeiten drängend viele Studierende an die Grenzen der Belastbarkeit und die jüngsten Veränderungen in der Hochschulpolitik haben auf keine Weise zu einer Besserung der Situation geführt, im Gegenteil. Mit dieser Kampagne möchte der VSStÖ Wien auf die herrschende Missstände zur psychologischen Gesundheit von Studierenden und den Unwillen der Politik diese zu beheben aufmerksam machen, da das Thema nach wie vor stark stigmatisiert wird.

Stressfaktoren

49% der Studierenden haben mindestens einen Punkt genannt:
  • 25% fehlende Studienmotivation
  • 23% Arbeits- und Konzentrationsprobleme
  • 22% stressbedingte gesundheitliche Probleme
  • 17% Probleme, Studium selbst zu organisieren
  • Bei Frauen*:  51%
  • Bei Männern*: 47%

Während bei Frauen* stressbedingte gesundheitliche Beschwerden als häufigster Stressfaktor genannt werden (27%) ist dieser bei Männern* an letzter Stelle (16%).

Psychische Beschwerden

42% der Studierenden haben mindestens einen Punkt genannt:
  • 24% Versagens- und Prüfungsangst
  • 20% Existenzängste
  • 17%  depressive Stimmungen
  • 17%  mangelndes Selbstwertgefühl
  • 13%  Kontaktschwierigkeiten/soziale Isolation
  • Bei Frauen*:  46%
  • Bei Männern*: 37%

Studierende, die unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, sind massiv stärker von psychischen Beschwerden betroffen (67%) als Studierende ohne Beeinträchtigung (39%).

Anteil der Studierenden mit psychischen Beschwerden


64% bei Studierenden mit starken finanzielle Schwierigkeiten

44% bei Studierenden mit mittleren Schwierigkeiten

30% bei Studierenden ohne finanzielle Schwierigkeiten

Daher fordern wir:


Therapie auf Krankenschein: Kassen-Therapie Plätze sind so knapp, dass es ans Utopische grenzt aufgenommen zu werden und private Ärztinnen_Ärzte liegen weit außerhalb der Möglichkeiten des_der durchschnittlichen Student_in.


Ausbau des Beihilfensystems: Der belastenste Faktor für Studierende sind Existenzängste durch finanzielle Notlagen. Vor allem für Studierende aus einkommensschwachen Schichten kann der alters/leistungsbedingte Verlust staatlicher Förderungen ein kaum tragbaren Druck oder sogar einen Abbruch des Studiums bedeuten.


Entstigmatisierung: Obwohl psychische Erkrankungen nicht nur unter Studierenden, sondern auch in der breiten Gesellschaft stark verbreitet sind, bleibt psychische Gesundheit nach wie vor ein Tabu-Thema. Dies drängt Betroffene weiter in die Isolation und hemmt sie, das gebotene Beratungsangebot, dürftig wie es auch ist, in Anspruch zu nehmen.


Ausweitung von Frauen*beratungsstellen: Obwohl Frauen* überproportional von Stressfaktoren und psychischen Belastungen betroffen sind und fast ausschließlich die Betroffenen von Essstörungen ausmachen, bleiben die frauen*spezifischen Beratungsstellen unterfinanziert und unbekannt. Viele Universitätsvertretungen haben nicht einmal ein eigenes Frauen*referat, das als Anlaufstelle für sexualisierte Übergriffe fungieren.

Anlauf- und Beratungsstellen


  • ÖH-Helpline
  • Psychologische Studierendenberatung
  • Psychosoziale Dienste Wien
  • Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst
  • Telefonseelsorge
  • Kriseninterventionszentrum
  • Hotline für Essstörungen
  • “Behindertenbeauftragte”
  • studicare.com
  • ICARE PLUS

Quellen und Presse:

  1. Institut für Höhere Studien, Wien. 2016. Studierenden-Sozialerhebung 2015. Bericht zur sozialen Lage der Studierenden. Band 2.
  2. Zur Presseaussendung vom 6. März 2018: Kampagnenstart des VSStÖ Wien zu psychischer Gesundheit von Studierenden